Wie sollte Fieber behandelt werden?
Der Wärmemechanismus des Körpers, der Set-Point und der richtige Umgang
Das Wetter ist kälter geworden und wir befinden uns in einer Zeit, in der Viren und Keime stärker zirkulieren. Deshalb stellen fast alle dieselbe Frage: „Doktor, das Fieber ist gestiegen – was sollen wir tun?“ Anschließend folgen meist Fragen darüber, ob Untersuchungen notwendig sind, welche Medikamente eingesetzt werden können und ob das Fieber gefährlich ist.
Wenn Familien keinen Arzt erreichen, greifen sie oft auf Internetinformationen zurück und eilen zur Apotheke, um mit Paracetamol oder Ibuprofen das Fieber sofort zu senken. Doch ohne das Fieber richtig zu verstehen, reflexartig zu handeln, kann gegen den natürlichen Abwehrmechanismus des Körpers arbeiten.
Fieber ist ein System, das die Körpertemperatur konstant bei 37°C hält. Der Hypothalamus im Gehirn funktioniert wie ein Thermostat und reguliert rund um die Uhr, damit der Körper bei etwa 37°C bleibt. Diese Temperatur ist der „Goldstandard“, damit Enzyme und Hormone optimal arbeiten können.
Sinkt die Temperatur, verlangsamt sich das System; steigt sie zu stark, beginnt es zu entgleisen. Warum aber steigt die Temperatur? Nicht die Keime selbst sind dafür verantwortlich, sondern die Abwehrreaktion des Körpers.
Wenn Keime Toxine ins Blut abgeben, gelangen pyrogene Stoffe des Immunsystems zum Hypothalamus und erhöhen den Set-Point von 37°C auf 39°C. Das Gehirn sendet dann das Signal „Mir ist kalt“. Daraufhin beginnen die Muskeln zu zittern, die Blutgefäße ziehen sich zusammen, Schilddrüsenhormone werden aktiviert und der Körper produziert Wärme.
Aus diesem Grund sollte Fieber bis 39°C kontrolliert beobachtet werden. Sofort Medikamente zu geben, Kinder kalt abzuduschen oder den Körper mit Alkohol oder Essig abzureiben, kann den gegenteiligen Effekt haben. Da die oberflächlichen Gefäße sich verengen, steigt die innere Körpertemperatur sogar weiter.
Bei Fieber über 39°C werden zwei Medikamentengruppen eingesetzt. Die erste Gruppe sind Paracetamol-Präparate. Diese senken das Fieber nicht direkt, sondern ziehen den Set-Point im Hypothalamus wieder auf 37°C zurück. Der Körper senkt anschließend das Fieber selbst. Die zweite Gruppe sind nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), die sowohl fiebersenkend als auch entzündungshemmend wirken.
Wenn Fieber das einzige Symptom ist, wird üblicherweise Paracetamol bevorzugt; wenn Schmerzen oder Entzündungen im Hals, Ohr, Zahn oder anderen Körperbereichen bestehen, sind NSAR geeigneter. In manchen Fällen können beide Präparate abwechselnd angewendet werden – dies jedoch ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht.
Übermäßige Anwendung von Paracetamol kann die Leber schädigen; hohe NSAR-Dosen können Magen- oder Nierenblutungen verursachen. Andererseits erhöht völliger Verzicht auf Medikamente bei Temperaturen über 40°C das Risiko von Krampfanfällen.
Daher besteht der richtige Umgang mit Fieber darin, Temperaturen bis 39°C kontrolliert zu beobachten und bei höheren Werten mit ärztlicher Anleitung die passenden Medikamente einzusetzen. Zu wissen, dass Fieber die Art und Weise ist, wie der Körper gegen Keime kämpft, und Medikamente nicht unkontrolliert zu verwenden, ist der wichtigste Grundsatz.